Rathaus
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Entstehung des ersten Rathauses
Das erste Rathaus in Sarnen entstand um 1418 an der Stelle des heutigen Gebäudes. Es diente als Gericht und Versammlungsort für den Rat. Vorher fanden die Rats- und Gerichtsversammlungen in Privathäusern statt, meist im Haus des Landammanns. Mit dem Bau des Rathauses erhielt Sarnen einen zentralen Versammlungsort mit repräsentativer Funktion. Das Gebäude spiegelte das gestiegene Selbstbewusstsein der Gemeinde wider, das auf militärischen und politischen Erfolgen beruhte, wie der Befreiung Unterwaldens von auswärtigen Gerichten durch König Sigismund im Jahr 1415 und den Eroberungen der Eidgenossen im Tessin.
Der Grossbrand von 1468
Am 14. August 1468 kam es in Sarnen zu einem Grossbrand, bei dem 22 Häuser, darunter auch das Rathaus, niederbrannten. Der Überlieferung nach konnte das Feuer erst gelöscht werden, als Bruder Klaus auf einer Anhöhe das Kreuz gegen die Flammen schlug. Das Rathaus wurde danach am selben Standort wieder aufgebaut und blieb ein zentrales Symbol für die Gemeinschaft von Sarnen.
Funktionen des Rathauses
Das Rathaus diente als Gerichtssaal und Versammlungsort. Im Jahr 1551 wurde im Erdgeschoss eine obrigkeitliche Metzgerei eingerichtet. Im ersten Stock befand sich ein Tanzsaal, der bis 1622 genutzt wurde, dann aber wegen zu ausschweifender Feierlichkeiten per Ratsbeschluss geschlossen wurde. Im Dachgeschoss wurden im Jahr 1677 Gefängniszellen eingerichtet, die bis zur Vollstreckung der Urteile genutzt wurden.
Neubau und Veränderungen
Das Rathaus wurde von 1729 bis 1732 von Hans Georg Urban im barocken Stil neu erbaut. Das Erdgeschoss und die Freitreppe blieben erhalten. Die finanziellen Mittel stammten aus dem konfiszierten Vermögen des hingerichteten Ratsherrn Schmidhalter. Der Neubau brachte eine architektonische Modernisierung mit sich, behielt aber die traditionelle Funktion als Verwaltungs- und Gerichtssitz bei.
Wasserspeier am Rathaus
Beim Umbau von 1729 bis 1731 wurden zwei Wasserspeier an den Mansardendachecken des Rathauses angebracht. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges sollten sie als Alteisen der Kriegswirtschaft geopfert werden. Der Fotograf Josef Abächerli rettete sie jedoch und bewahrte sie auf. 1936 wurden die Wasserspeier wieder am Rathaus angebracht. Gleichzeitig wurde ein dritter in Auftrag gegeben. 1977 kam ein vierter hinzu.
Erdbeben von 1964
Beim Erdbeben im Jahr 1964 erlitt das Rathaus erhebliche Schäden. Eine Renovation wurde 1977 bis 1978 durchgeführt, um die Stabilität und Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Das Rathaus blieb auch nach der Renovation ein zentraler Ort des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Sarnen.
Rathausgasse
Die Rathausgasse in Sarnen wurde früher auch „Schelmägässli“ genannt, vermutlich weil Angeklagte über die Rathausgasse zum Gericht im Rathaus geführt wurden.
Bis in die 1990er Jahre verband die Rathausgasse zwei Handwerksbetriebe: die Kupferschmiede Dillier und die Werkstatt des Velomechanikers Slanzi. In der Kupferschmiede hinter dem Rathaus stellten Paul Dillier und sein Sohn Adolf Dillier, genannt „Chupferdelf“, hauptsächlich Kupferkessel her. Franz Slanzi reparierte in seiner Werkstatt die Fahrräder der Dorfbewohnerinnen und -bewohner.
Diese Handwerker waren nicht nur für ihre Arbeit bekannt, sondern auch als dorfbekannte Originale. Hans Wirz aus Sarnen porträtierte sie Anfang der 1970er Jahre mit seiner Filmkamera. Der Film gelangte ins Staatsarchiv Obwalden und dokumentiert die Alltagsgeschichte Sarnens.
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