Hexenturm

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Nutzung des Hexenturms im Verlauf der Zeit
Der Hexenturm in Sarnen wurde kurz vor 1291 als Wohnturm der „Unteren Burg von Sarnen“ erbaut. Ab dem 15. Jahrhundert diente der Turm als Gefängnis, später auch als Verhör- und Folterkammer, Schatzturm und Pulverkammer.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Hexenturm als sicherer Aufbewahrungsort für Staatsdokumente genutzt, eine Funktion, die er bis heute beibehält. 1715 kam ein steinernes Dachgeschoss als Verhörzimmer hinzu. 1877 wurde der Turm zum Museum umgebaut, das 1909 in neue Räumlichkeiten umzog. Seitdem dient der Hexenturm als Staatsarchiv Obwalden und beherbergt das „Weisse Buch von Sarnen“.

Namen und Bezeichnungen des Hexenturms
Der Name „Hexenturm“ tauchte erstmals im 19. Jahrhundert auf, basierend auf der Annahme, der Turm sei als Gefängnis für Hexerei-Verdächtige genutzt worden. Vorher war der Turm unter verschiedenen Namen bekannt, darunter „Aaturm“, „Grosser Turm“, „Schelmenturm“ und „Schatzturm“. Oft wurde er einfach „Turm“ genannt, eine Bezeichnung, die seit 1474 belegt ist.

Das „Weisse Buch von Sarnen“
Das „Weisse Buch von Sarnen“ ist die älteste Chronik über die Entstehung der Eidgenossenschaft. Es wurde um 1470 von Hans Schriber verfasst und enthält Abschriften wichtiger Bündnisbriefe sowie die erste bekannte Überlieferung der Tell-Sage. Diese erzählt die Geschichte von Wilhelm Tell, der sich gegen die habsburgische Herrschaft auflehnte und zur Symbolfigur des Freiheitskampfes wurde.

Das „Weisse Buch“ diente als Vorlage für Chroniken wie die von Aegidius Tschudi, die wiederum Friedrich Schiller zu „Wilhelm Tell“ inspirierten. Trotz Zweifeln an der historischen Genauigkeit gilt es als bedeutendes Zeugnis für die Entstehung der schweizerischen Nationallegenden.

Die Tell-Sage und der Widerspruch zur historischen Realität
Die Tell-Sage erzählt von Wilhelm Tell, der den habsburgischen Landvogt Gessler tötete und so den Freiheitskampf der Eidgenossen auslöste. Auch die Vertreibung des Landvogtes Landenberg und die Einnahme einer Burg auf Sarnen werden beschrieben.

Früher nahm man an, dass es sich um die Burg auf dem Landenberg handelte. Archäologische Untersuchungen zeigten jedoch, dass diese Burg zu der Zeit bereits verlassen war. Die Beschreibung passt besser zum Hexenturm, obwohl dieser zu klein war, um als Festung zu dienen. Der Historiker Werner Meyer hält den Hexenturm daher als militärischen Stützpunkt für ungeeignet.

Die Authentizität der Tell-Sage wird heute stark angezweifelt. Vermutlich wurden mündliche Überlieferungen verschiedener Ereignisse im Laufe der Zeit ausgeschmückt und zu einer zusammenhängenden Geschichte verknüpft. Das „Weisse Buch“ enthält zudem Motive aus nordischen Sagen, wie den Apfelschuss. Trotz dieser Zweifel wurde die Tell-Sage durch Schillers „Wilhelm Tell“ weltberühmt und gilt bis heute als Gründungsmythos der Schweiz.

Heutige Nutzung des Hexenturms
Heute dient der Hexenturm als Teil des Staatsarchivs Obwalden. Hier sind historische Bestände untergebracht, die Dokumente aus mehreren Jahrhunderten umfassen und den Zeitraum von etwa 1210 bis 1850 abdecken. Auf Anfrage erhält man beim Staatsarchiv einen Einblick in das originale „Weisse Buch von Sarnen“

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